Christian Unverzagt

Der Wandlungsleib des Dong Yuan

Die Geschichte eines malerischen Oeuvres

256 Seiten mit 27 Abbildungen auf 16 Tafeln, Kart. 39,- €, 64,40 sFr
Münchner Ostasiatische Studien, Franz Steiner Verlag 2007
ISBN 978-3-515-08967-8

Abstract

Dong Yuan (10. Jh.) gilt als einer der größten Maler Chinas. Eine genaue Prüfung der Quellen vom 10. bis zum 20. Jahrhundert zeigt jedoch, wie nicht nur sein Ruhm erst im Lauf der Zeit entstand, sondern auch das ihm jeweils zugeschriebene Oeuvre. Nach Maßgabe politischer, kultureller und ästhetischer Veränderungen wandelte sich das Image des Meisters und mit ihm der Bestand der ihm zugeschriebenen Werke. Der nachträgliche Versuch der Kunstgeschichte, dieses sich permanent verändernde Oeuvre durch eine scharfe Trennlinie zwischen Originalen, Kopien, Imitationen und Fälschungen in einer authentischen Ursprungsgestalt still zu stellen, schlägt fehl und wird seinerseits zur unfreiwilligen Arbeit an diesem Wandlungsleib. Der Wandlungsleib des Dong Yuan zeigt die methodischen Grenzen und Aporien der modernen Kunstgeschichte auf. Zugleich öffnet sich mit einer theoretischen Reflexion auf das Phänomen des Wandlungsleibs ein neuer Betrachtungshorizont, an dem hinter der Frage nach der Authentizität wieder das Enigma der Kunst aufblitzt.

  

Stimmen zum Buch

„Der Autor geht mit bestechender methodischer Schärfe vor ... In der chronologischen Behandlung der Textquellen ist ein Exkurs über Kunstsammlungen und ihre Funktion für die Etablierung und Überlieferung des Oeuvres eines Meisters eingefügt. Hier demonstriert Unverzagt, wie bereits die wechselvolle Geschichte der Sammlungen und der beständige Aderlass aus den Sammlungen die Kreation von neuen Werken nötig macht. In einer brillanten Schlussfolgerung kommt er zu dem Ergebnis, dass das perfekte Meisterwerk eigentlich gar nicht existieren darf. Vielmehr gehört es geradezu zu dessen Definition, dass es in seiner Idealisierung unsichtbar wird ... Unter Verzicht auf jeglichen Jargon sind seine Formulierungen präzise und gewandt.“
(Lothar Ledderose, Professor für Kunstgeschichte Ostasiens, Universität Heidelberg, Balzan Preisträger 2005)

„Von detaillierten Untersuchungen der zu Dong Yuan erhaltenen Textquellen aus gelangt der Autor zu breit angelegten, wegweisenden Überlegungen, die über das Fach der chinesischen Kunstgeschichte hinausweisen ... Diese provozierende, innovative und gründliche Dissertation sollte nicht nur als sprachliches Vorbild für deutsche Kunstgeschichtsarbeiten herangezogen werden, sondern sie besticht auch durch ihre methodische Schärfe, ihr breites Wissen innerhalb des behandelten Gebiets sowie eine ungewöhnliche Belesenheit in der europäischen Kunst- und Geistesgeschichte.“
 (Melanie Trede, Professorin für Kunstgeschichte Ostasiens, Universität Heidelberg)

Inhalt & Leseproben:


EINLEITUNG


NÖRDLICHE SONG-ZEIT:
DAS FACETTENAUGE DER KUNSTGESCHICHTE

Guo Ruoxu

Shen Gua

Mi Fu

Der Gemäldekatalog der Ära Friedensverkündung

Leerstellen und leere Quelle

 

SÜDLICHE SONG- UND JIN-ZEIT:
REKONSTRUKTION DER KONTINUITÄT

Deng Chun
Zhao Xigu
Jin-Dynastie
Yang Wangxiu

 

EXKURS ÜBER SAMMLUNGEN


YUAN-ZEIT:

GEBURT DES ALTEN UND NEUER RUHM

Wang Yun
Zhou Mi
Zhao Mengfu
Tang Hou
Huang Gongwang
Wu Zhen
Xia Wenyan

 

MING-ZEIT:

FUNKTION UND FIKTION DES LINIENAHNEN

Song Lian

Cao Zhao
Du Qiong
Shen Zhou
He Liangjun
Wang Shizhen
Zhan Jingfeng
Mo Shilong und die Erklärungen zur Malerei
Dong Qichang

 

QING-ZEIT:

KULTURHEROS UND ZEICHENLEHRER

Die Sechs Meister der Qing-Zeit
Die Individualisten
Der Senfkorngarten


DAS 20. JAHRHUNDERT:

MEISTERFÄLSCHER UND MODERNE

Zhang Daqian
Osvald Sirén
Li Chu-tsing
Richard Barnhart
Max Loehr
James Cahill
Die Debatte um das Flussufer


SCHLUSS UND FOLGERUNGEN

[Fußnote 624]


ANHANG: BILDTITEL
LITERATURVERZEICHNIS
PERSONENREGISTER
SACHREGISTER
ABBILDUNGEN

 

 

Der Wandlungsleib des Dong Yuan ist die leicht überarbeitete Fassung einer Doktorarbeit, die 2005 unter dem Titel Der lange Schatten des Ursprungs an der Universität Heidelberg eingereicht wurde.

Buchveröffentlichungen von Christian Unverzagt

demnächst erscheinen:

Die klassischen Schriften des Taijiquan

 

Alien Mensch. Vom Sondermüll zur Selbsterkenntnis

 

 

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