Christian Unverzagt

Christian Unverzagt

Das Sein der Dinge

Zu Heideggers Dingbegriff

in Sein und Zeit und in Der Ursprung des Kunstwerks

 

 

Christian Unverzagt

Magisterarbeit

an der Philosophisch-Historischen Fakultät

der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

(1998/99)

 

An Heideggers Dingbegriff in Sein und Zeit (1927) und in Der Ursprung des Kunstwerks (1935/36) lässt sich sowohl der Wandel seines Denkens als auch die Kontinuität seiner Frage- und Problemstellungstellungen ablesen. In Sein und Zeit fungiert das Ding und entsprechend die Verdinglichung als Gegenbegriff zu demjenigen Seienden, das Heidegger Zeug nennt. Dieses Zeug ist seiner Ansicht nach von der gesamten Tradition der Philosophie mit ihrem Seinsbegriff als Ding verkannt worden. Das Ding war gewissermaßen nur ein großes Missverständnis. Knapp zehn Jahre später erscheint im Kunstwerkaufsatz dagegen ein nun von ihm ganz anders gewertetes Ding als unbekannte und erst noch zu denkende Entität sui generis. Dieses Ding geht im veränderten, daseins-kritischeren Denken Heideggers vor Kunstwerken auf. Hing zuvor der eigentliche Bezug zum vergessenen Sein an der Aktivität des (menschlichen) Daseins, so ist ihm diese nun als Machenschaft verdächtig. Sein und Zeit konnte als Versuch gelesen werden, die durch die Denkgeschichte geschehenen Verdinglichungen wieder zurückzunehmen und das Dasein zu seiner ursprünglichen Seinserfahrung zurückzuführen. Hatte der theoretische Blick der Tradition die Welt Ding für Ding versteinert, so hielt Heidegger ihm den Spiegel vor, in dem er selbst versteinern sollte. Mit seiner Seinsidee des Über-sich-hinaus-seins verflüssigte Heidegger die verdinglichten Größen Subjekt und Objekt und verschränkte Welt und Dasein wieder in ihrer ursprünglichen Beziehung. Unterhalb der Geschichte, die als Ablagerung von Dingschichten erschien, sollte Dasein sich der ursprünglichen Impermanenz des Seins stellen. In seinem Ursprung aber enthüllte es sich als bodenloses Projekt, dessen rastlose Zeugverwendung Heidegger schon bald nicht mehr als Ausweg aus der Geschichte, sondern als deren Signum erscheinen sollte. Im Kunstwerkaufsatz denkt er mit den Dingen Seiendes, das ein Verweilen inmitten der Impermanenz erlaubt, ohne in bloße, seinslose Vorhandenheit zu verfallen. Die recht verstandenen Dinge stehen nicht mehr im Verdacht einer Flucht vor der Impermanenz des Seins, sondern sie sind Stätten des Verweilens inmitten der menschlichen Machenschaft. Aber dieses Verweilen ist keine ständige, in einem allgemeinen Dingbegriff zu verankernde Eigenschaft, sondern ein selbst impermanentes Geschehen.

 

„Bestechend ist die Vertrautheit des Verfassers mit den antiken und modernen Quellen von Heideggers destruktiven Attacken auf die traditionelle Philosophie.“

(Peter König, Professor für Philosophie an der Universität Heidelberg)

 

 

Inhalt und Leseproben

 

Einleitung

 

Teil I. Der Dingbegriff in Sein und Zeit

  1. Die zweigleisige Methode

     Phänomenologie der Alltäglichkeit

     Destruktion der philosophischen Tradition

  2. Die Zeug-Welt

     Zeug und Ding

     Das Worum-willen    

     Störfall und Zeug-Ding

  3. Die "Welt" der Dinge

            Die Bestimmungen der Dinglichkeit

     Der Zugang   

     Substanz und Subjekt

  4. Geschichte und Verdinglichung

     Rekonstruktion des Anfangs

     Dekonstruktion der Alternative

     Ausblick

 

Teil II. Der Dingbegriff in Der Ursprung des KunstwerksS.

  1. Destruktion und Erfahrung

     Substanz und Akzidenz

     Vorblick und Vorbegriffe

     Das Wahrnehmungsding

     Das Form-Stoff-Gefüge

     Die neue ontologische Topologie

     Die Vergegenständlichung

  2. Die Konstruktion der Erde

     Die Entdeckung der Erde

     Die Verdeckung der Erde

     Werk und Sein

     Der dunkle Urgrund

     Wahrheit und Rätsel

  3. Der Aufgang der Dinge

     Das Zunichtsgedrängtsein

     Das Insichruhen

     Das Eigenwüchsige

     Das Aus-sich-heraus-sein

 

Schluß

 

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