Christian Unverzagt

Christian Unverzagt

Kopfsprünge

 

Vorwort zur

Bewegungslehre. Botschaften aus einer autonomen Wirklichkeit.

Edition ID-Archiv. Berlin 1991

Übertragen aus dem Holländischen von Christian Unverzagt

Titel der holländischen Originalausgabe der Agentur Bilwet:

Bewegingsleer. Kraken aan gene zijde van de media.

Uitgeverij Ravijn, Amsterdam 1990

 

Als am 12.12.1980 in Berlin-Kreuzberg anläßlich der Räumung eines besetzten Hauses die Barrikaden brannten, Supermärkte und Schuhgeschäfte geplün­dert wurden und die Einsatz­wagen der Polizei mit quietschenden Reifen im Steinhagel kehrt machen mußten, begann etwas, von dem es zuvor nicht einmal eine Vorstellung gegeben hatte. Für die kritischen Wis­senschaftler mag es sich um das Resultat einer verfehlten Wohnungsbau- und Sozialpolitik gehandelt haben; die Beteiligten sahen es anders. Für sie war es kein Resultat von etwas, sondern ein Anfang, eine Art Nullstellung der Zeit. Quasi über Nacht („Ihr habt die Macht, uns gehört die Nacht!“) wurde aus ein paar Dutzend Hausbesetzern und ihren Sympathisanten „die Bewegung“, deren Anziehungskraft im Verlauf der weiteren Monate Tausende in ihren Bann ziehen sollte. Diese Bewegung spielte sich in besetzten Häusern, auf friedlichen Mas­sendemonstratio­nen, gewalttätigen Krawallen und in den Köpfen derer ab, die es geschafft hatten, aus dem Trott der vorgezeichneten Lebensbahnen auszubrechen. Die Bewegten ent­stammten nicht einer bestimmten sozialen Schicht, und sie kamen auch nicht zusammen, um ein neues politisches Subjekt zu bilden. Sie spran­gen aus allen diesen Zuordnungen heraus, um ein Geschehen im Raum und in der Zeit einer vierdimensionalen Welt ablaufen zu lassen, in der es nur einma­lige und unwiederholbare Chancen gibt.

Die Bewegung war ein lokales Phänomen. Die Bewegten sprachen von „der Bewe­gung“ als einem Geschehen in ihrer Stadt. Was wichtig war in der Welt, war wieder in die Dimension des eigenen Handlungsspielraums zurückgeholt worden. Was man machte, zählte; und nicht nur, was man dachte. Man lebte vornehmlich in seinem Viertel, ging zu Fuß, fuhr Fahrrad oder in alten, mehrfach kurz vor der Verschrottung wieder zusammengeflickten Autos auf Nachtwache oder zu Besuch in einen anderen Kiez. Die Bewegung verkleinerte die Welt zu einer Bühne, auf der man selbst Akteur sein konnte und nicht mehr nur Zuschauer massenmedialer Ereignisse war.

Die Bewegung war ein zeitliches Phänomen: das Hereinbrechen einer anderen Zeit in die Normalzeit, das Herausbrechen eines Zeit-Raums eigener Regeln aus dem Normalltag. Gegenüber der automobilen Hochgeschwindigkeitsgesellschaft verlang­samte die Bewe­gung das Tempo. Besetzerräte begannen frühestens mit einer Stunde Verspätung. Die Zeit mußte nicht in jedem Augenblick verwertet werden – was die Frage „Zur Schule gehen/arbeiten/studieren oder nicht?“ meist von selbst beantwortete. Dann aber wieder, wenn Gefahr drohte, konnten die Bewegten blitzschnell zuschlagen. Dann waren ihre eigenen Kommunikationsnetze mit Telefonketten und Mund-zu-Mund-Mobilisierung schneller als der auf einmal träge dastehende Apparat des Systems.

Der Bruch mit den Spielregeln des Systems war eine vielfältige Zeiterscheinung. In seinen Erscheinungsformen ist der vielbeschworene Zeit-Geist immer ein vielköpfiges Unge­heuer. Die lokalen Phänomene entstanden mit geringer zeitlicher Verschiebung an einer gan­zen Reihe von Orten in Deutschland, Holland und der Schweiz. Das zeitgleiche Auftreten ähnlicher Ereignisse in anderen Städten gab der Bewegung eine Pluralform: Bewegungen, die sich gegenseitig austauschten, unterstützten und Antrieb gaben, die aber niemals ideologisch zu einem einheitlichen Gebilde aufgebläht wurden. Überall ähnelten sich die Ereignisse, aber nirgends waren sie gleich. Von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, von Kiez zu Kiez und Haus zu Haus – und schließlich noch inner­halb eines jeden Hauses... Je näher man hinsah und je genauer man hinhörte, desto größer wurden die Unterschiede in den Ausdrucksformen der Bewegten und dem Verlauf ihrer Bewegungen.

Wer einmal in der Amsterdamer U-Bahn Station Nieuwmarkt ausgestiegen ist, kennt die merkwürdige Wandgestaltung des Bahnhofs. Die Kachelung öffnet sich, um ein Stück Geschichte hindurchscheinen zu lassen. Man sieht das Gebälk und die Steine einer alten Hauswand, auf der in großen, weißen Let­tern gepinselt steht: „Wir bleiben drin!“ Der Spruch stammt aus den frühen Siebzigern, der Zeit des Widerstands gegen die Stadterneuerung, der das alte jüdische Viertel zugunsten der Rathaus-Oper, der Neubauten und der U-Bahn zum Opfer fiel. Die Bewohner sind nicht mehr drin, aber ihre Slogans sind zu einem Stück Geschichte geronnen, das im Inneren der geplanten Stadt mitgetragen wird: als Beute und als Erinnerungszeichen. Der Widerstand von damals wurde überwunden. Aber als überwundener wird er dokumentiert: mit einem Rahmen versehen, der nun ein Fenster in eine (damit) ver­gangene Zeit um­schließt. Dieses Modell der Geschichtsschreibung ist beliebt in Holland. In Deutschland wird es von Radikalen mit Herbert Marcuses Begriff der „repres­siven Toleranz“ kritisiert: das Rad der Geschichte rollt genauso unaufhaltsam wie woanders, aber niemand braucht sich von ihm plattgewalzt zu fühlen. Jeder darf sich als Speiche ebendieses Rades betrachten.

In Deutschland herrscht ein anderes Modell der Geschichtsschreibung vor. Es ist das Prinzip Kahlschlag. Als 1983 das riesige Besetzernest KuKuCK (Kunst- und Kultur Centrum Kreuzberg) geräumt wurde, war das erste, was die Obrigkeit tun ließ, die Eliminierung des Wandgemäldes auf seiner Seitenfassade. Das vier Stockwerke hohe Doppelbild mit den drei schwarzen Kapuzengnomen vor dem Feuer der Anarchie und den Blasen, die aus dem Trümmerhaufen eingestürzter Neubauten aufsteigen, wären in jedem Land, das nach dem holländischen Integrationsmodell arbeitet, unter Denkmalschutz gestellt worden. In Deutsch­land mußte es vernichtet werden: um die in die Normalität Heimgeholten nicht nur ihrer Brutstätte sondern auch noch ihrer Erin­nerung zu berauben.

Es gibt Radikale – in Deutschland und außerhalb – die ein seltsam zwiegespaltenes Verhältnis zu diesem Prinzip Kahlschlag haben: Die Wut, die ohnmächtig erwacht, kann sich, ihrer Meinung nach, unter diesen Umständen zu einer unbeugsamen Haltung aufschwingen, die jedem Kompromißlertum widersteht. Die Widersprüche treten nackt zutage und prallen ohne Dämpfer aufeinander. „Kein Dialog mit der Macht!“, hieß es in der Berliner Bewegung. Nur durch die radikale Abkehr von gesellschaftlichen Normen glaubte man in einer „anderen Wirklichkeit“ landen zu können. Das klingt anders als die Bil­wet-Beschreibung der Bewe­gungserfahrung: „Man braucht sich nicht von seinem vorgezeichneten Lebenslauf abzuset­zen, es bleibt ein Lebensstil bestehen, der sich parallel zu diesem abspielt.“ Reflektiert sich darin die Übermacht der Geschichte von Nationen, aus der die Bewegungen doch gerade herausge­sprungen sein wollen? Oder hat die Geschichte nur Macht über die Sprache, die immer hinterher kommt, immer schon ein Stück geprägter ist als der erste, archaische Aus­druck des Handelns, der für viele Bewegte mit einem Stein oder einem Streichholz in der Hand begann?

In ihrer „sprachlosen“ Sprache ähneln sich alle Bewegungen, aber in der Sprache, mit der über sie gesprochen wird, reflektiert sich ihre Verschie­denheit. Die Geschichten, die in der „Bewegungslehre“ erzählt werden, tragen unverkennbar das Kolorit der lokalen, holländi­schen Erfahrungen, denen sie entstammen. Aber zugleich schimmert durch die Sprache auch das Gemeinsame dieser Bewegungen hindurch, das sich bei der Lektüre mit jedem Wiederer­kennen von Situationen und jeder plötzlichen Einsicht in einen ungewohnten Gedanken ent­hüllt. Die Geschichten, aus denen die Agentur Bilwet ihre Bewe­gungslehre zieht, haben sich an anderen Orten so ähnlich abgespielt; und sie scheinen sich, so wie 1990 in Ost-Berlin, auch immer wieder so oder so ähnlich abzuspielen. Das gilt für die glorreichen Augenblicke der Besetzerbewegung, aber auch für ihre dunkle, faulig riechende Rückseite: Das Aneinan­der-vorbei-Monologisieren auf Vollversammlungen, Schlägereien zwischen „Verhandlern“ und „Nichtverhandlern“ auf dem Besetzerrat, Tribunale selbsternannter Komissionen gegen Leute unter Spitzelverdacht, Überfälle von Knüppelbrigaden auf ein Nachbarhaus... All das sind Phänomene, die in Holland als „typisch deutsch“ bezeichnet würden – wären sie nicht ebendort genauso aufgetreten. Die Agentur Bilwet sieht in solchen Phänomenen die Dynamik einer Bewegung wirken, die ihren günstigen Augenblick des Verschwindens verpaßt hat und deren Akteure sich auf das Weitermachen-um-jeden-Preis versteifen.

Bewegungen lassen sich in keiner Theorie stillstellen. Wenn sie ihre Erfahrungen über die Zeit hinweg austauschen wollen, müssen die Gedanken an Geschichten geknüpft bleiben. Die Agentur Bilwet läßt Bewohner des Bewegungsraums zu Wort kommen, hinter deren Erzählungen Gesetzmäßigkeiten hin­durchschimmern, die durch jede Bewegung spontan wie­dergeboren zu werden scheinen. Sie tut es nicht mit einer sozialwissenschaft­lichen Methode oder Absicht. Hausbesetzungen werden nicht als Problem sozialer Schichten und gesell­schaftlicher Umstände analysiert. Es geht auch nicht um Geschichts­schrei­bung, Chronologien oder eine andere Suggestion von Vollständigkeit. Bewegungen lassen sich nur beschreiben, wenn sich der Akteur eines spontanen Geschehens und der Leser eines Textbuches, in dem alle Rollen schon vorgeschrieben sind, als dieselbe Person erkennen. Die Theorie, die aus den beschriebenen Ereignissen gewonnen wird (bzw. aus einer Distanz zu ihnen, die nicht auf Distanzierung hinausläuft), bleibt fragmentarisch – und ist doch global. Wie jene Ereignisse, die unerwartete Verkettungen eingegangen sind, wird sie zu einer Beschreibung, die selbst darauf wartet, unerwartete Verket­tungen einzugehen.

Eine Bewegung hat einen Anfang und ein Ende. Beide Punkte mögen sich von außen datieren lassen, für die Beteiligten selbst aber können sie an ganz verschiedenen Stellen lie­gen – oder sogar unauffindbar bleiben. „Am Anfang war das Ereignis,“ schreibt die Agentur Bilwet. In diesem Ereignis kommt es zur Begegnung mit Anderen, die zuvor anonyme Fremde im Gewimmel der städtischen Masse waren. So wie in Berlin der 12. 12. 1980 diesen Punkt markierte, so lassen sich vielleicht überall große Ereignisse als Bewegungsbeginn ausmachen. Aber wer von den Bewegten war tatsächlich dabei? Nach einer Weile sind hun­derte und tausende von neuen Leuten dazugekommen, und alte sind ausgestiegen. Es kann passieren, daß eine Bewegung ihre eige­nen Protagonisten abhängt; sie besteht nur im Tun jener, die noch einmal Geschehnisse von gleicher Intensität inszenieren können. Die Bewe­gung beginnt mit jedem, der dazukommt. Sie beginnt mit jeder individuellen Entscheidung, die sich oft erst hinterher, nach einer spielerischen Liaison mit dem Bewegungs­raum, als sol­che enthüllt.

Und dennoch bleibt alles Spätere auf den großen Anfang bezogen, der immer mehr in mythische Dimensionen gerät. „Die Bewegung ist die Erinne­rung an das Ereignis.“ Es ist, als ob der Bewegungsraum nur durch die überschüssige Energie eines absoluten Hier und Jetzt ausgespannt würde, dessen Kraft sich Schritt für Schritt vermindert. Die Erinnerung an das Ereignis wird in mythisch aufgeladenen Ge-Schichten aufrechterhalten, von denen jeder Be­wegte erzählen kann, wie alte Völker von ihren Schöpfungs- und Heldensagen. Am Ende scheint alle Rede von der Bewegung zu einem Mythos zu werden. Die Agentur Bilwet schreibt, daß das Wort „Bewegung“, dessen Gebrauch in ihrer Sichtweise fatale Folgen für die Amsterdamer Besetzer hatte, aus Berlin kam. Aber hatten die Berliner es nicht von den Freiburgern, die es von den Zürichern, die es wiederum von den Amsterdamern übernommen hatten? Der Mythos vom Ursprung der Bewegung umfaßt noch den Ursprung des Wortes.

Muß der Anfang, der überall stattfindet, auf ein Ereignis rückbezogen werden, das es gab, so muß das Ende der Bewegung mit einem Ereignis gesetzt werden, das es vielleicht niemals geben kann. Die Agentur Bilwet versucht den Punkt aufzuspüren, an dem die Bewe­gung sich kollektiv hätte verabschieden können. Nur dann hätte sie der Dynamik ihrer unwürdigen Rückzugsgefechte entgehen können. Vielleicht sind diese aber auch der fatale Preis für das Leben in einer kollektiven Wirklichkeit, die nicht selbst durch einen kollektiven Akt beendet werden kann. Das Ende der Bewegung ist der Schritt zurück in die Vereinzelung in der Massengesellschaft; und als solcher scheint er nur individuell realisiert werden zu kön­nen. Das Ende der Bewegung ist vielfältig, es geschieht mit seiner Realisierung durch jeden Einzelnen.

So existenziell sich das Ende einer Bewegung auch abspielt, so gibt es doch sichtbare Indikatoren, die verlangen, es zu realisieren, Dann, wenn das gleiche ungestüme Handeln nicht mehr den Tumult unvorhergesehener Kettenreaktionen auslösen kann, wenn der eigene Ausdruck Andere nicht mehr anzieht, dann ist es Zeit aufzuhören. Dann ist „das Paradox einer Bewegung, die dadurch wächst, daß Leute abgeschreckt werden“ wieder zu hoch für die Bewegten geworden. Eine Bewegung spielt sich in einer anderen Dimension als „die Gesamtgesellschaft“ ab, ihre Symbole ziehen nie alle an. Aber nur um die, die sich angespro­chen fühlen, geht es. Bewegungen betreiben keine Politik, sie wollen mit keiner Aufklärungs-Pädagogik auf unbekannte Andere einwirken; sie versuchen nicht, sich auf die Ebene, die sie verlassen haben, zu vermitteln. Aber wenn der Zustrom neuer Leute und neuer Ideen aufhört, dann ist die Bewe­gung vom Zeit-Geist verlassen. Eine Bewegung wächst – oder sie stirbt ab. Nur im Imaginären der Bewegten kann sie den Verlust ihrer Anziehungskraft kompensieren – ein fataler Rückfall in das überwundene Zeitalter der Politik, dessen Verlassen gerade der Ausgangspunkt der Bewegung war. Der Wille, weiterzumachen, landet in subjektivistischem Aktionismus und/oder in dogmatischer Gruppenpolitik. Die letzten Getreuen der Bewegung ähneln dann den japanischen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, die man nach Jahrzehnten auf entlegenen Inseln im Pazifik fand.

Anders als die von der Geschichtsphilosophie ersonnenen historischen Subjekte, bil­den Bewegungen kein Kontinuum. Sie tauchen auf und ver­schwinden wieder. Und dennoch werden sie nicht einfach Vergangenheit. Die Zeit-Räume von Bewegungen können sich über­all wieder öffnen, sie kommu­nizieren, durch alle verschiedenen Sichtweisen hindurch, auf eigenartige Weise miteinander. Durch die Mythen vergangener Bewegungen schimmern immer noch und immer wieder die Schrittsteine zu einer „anderen Wirklichkeit“ hindurch. Ihrem Verlauf zu folgen, bedeutet, den Medien, die die Wirklichkeit der Massengesellschaf­ten strukturieren, ein Schnippchen zu schlagen.

Auch wenn die Bewegung als ein Geschehen jenseits der Massenmedien beginnt, ge­rät sie doch in ein fatales Duell mit ihnen. Um ihren Zeit-Raum gegen die Aufsaugung durch die Medien zu verteidigen, ersinnt die Bewegung außer- und antimediale Strategien. Aber Bewegte können sich auch darauf verstehen, die Medien zu verwenden. Die „Nolympics“­Aktionen, mit denen die drohenden Olympischen Spiele von Amsterdam abgewendet werden konn­ten, waren Medien-Aktionen. Über geschicktes Ausnutzen der Medien konnte das Image der Stadt, das von seiner Präsentation in ebendiesen Medien abhing, so beschädigt werden, daß die Repräsentanten von „Amsterdam“ in den Augen des IOC nichts zu melden hatten. Die Tatsache, in eine bestimmten Stadt in einem bestimmten Staat mit Paß und Geschichte hineingeboren worden zu sein, pfropft einem Zugehörigkeiten zu Gruppen und Massen auf, zu denen man sich nicht entschieden hat. Das System braucht diese Gruppen, um sie als Legitimation für ihr „Repräsentanten“ in Anspruch nehmen zu können. Bei den „Nolym­pics“ wurde der Spieß herumgedreht und diese Zugehörigkeit in Anspruch genommen, um das Image der Repräsentanten zu zerstören.

Die „Bewegungslehre“ handelt von Großem und von Kleinem, von tragischen Vor­fällen und von komischen, von todernst gemeinten und von fröhli­chen Aktionen. So handelt sie vom Leben einer Generation, die vielleicht nie alt und nie klug wird, dafür aber auch nie­mals altklug beginnt. Im Laufe der Geschichte wird diese Generation immer wieder aufs Neue geboren. Sie taucht immer auf einem schmalen Grat auf. Auf der einen Seite gibt es eine Welt zu gewinnen, die mit keinem „Ende der Bewegung“ jemals untergeht. Auf der anderen Seite lauern Abgründe, die nur jene leugnen, die sich bereits auf ihrem Boden in ideologischen Eigenheimen eingerichtet haben.

Die „Bewegungslehre“ zeichnet Berichte aus einem Inneren auf, dessen Erfahrungs­raum sich wie eine Zeitschleife geschlossen hat – um anderswo erneut zu entstehen. Sie gehört selbst zu den Suchprogrammen nach neuen Verkörperungen des Zeit-Geistes. Viel­leicht wird sie sogar irgendwann zu einem Dokument aus der Zukunft geworden sein.

 

R Adi Ator