Christian Unverzagt
Wer im Internet nach Christian Unverzagt sucht, stößt auf
ein schillerndes Spektrum von Spuren.

In Amerika lebt und lehrt derzeit ein Architekt namens Christian Unverzagt,
der nicht nur Häuser, sondern auch Designs für T-Shirts entwirft.
Vielleicht handelt es sich bei ihm um einen Nachfahren jenes gleichnamigen
Schmiedes aus Pittsburgh, der 1831 in Darmstadt geboren wurde, mit 19
Jahren ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten auswanderte und seit
1869 für die Allegheny Valley Eisenbahngesellschaft arbeitete?
Christian Unverzagt heißen aber auch ein französischer Bergführer
in den Hochalpen, ein hessischer Juso im Studentenparlament, der Autor
eines Wanderbuches für die Bretagne, ein Mitglied der Thekenmannschaft
für den Oldieabend der Burschenschaft elsoff oder der Ranglisten-Sechste
der Gruppe A bei einem Schach-Turnier in Hamburg 1971/72.

Ferner nennen sich Christian Unverzagt ein mehrfach international ausgezeichneter
Taijiquan-Lehrer aus Heidelberg, der Co-Autor eines Buches über
Müll, der Autor einer Dissertation über chinesische Malerei,
die unter dem Titel Der Wandlungsleib des
Dong Yuan als Buch erschien,
und der Übersetzer
eines Buches über
Hausbesetzungen aus dem Holländischen.

In einem Artikel von Volker Grassmuck über Tokyo, die Stadt als
Terminal und das Terminal als Stadt, wird ein Christian Unverzagt zitiert: „Die
Herausforderung heute ist es, doppelt zu leben: hier und jetzt und zugleich
im digitalen Über-All.“
Kryptischer noch ist das Zitat aus der Schrift "Krieger und ihre Medien"
der Agentur Bilwet. Dort heißt es unter Berufung auf Christian
Unverzagt: „Die unsichtbaren Krieger werden ein Spiegel des Schicksals
gewesen sein.“
Das Zitat wirkt wie eine Anschlussstelle an das Auftauchen von Christian
Unverzagt als Romanfigur. In „El Mundo oder die Leugnung der Vergänglichkeit" von
Jürgen Drews ist Christian Unverzagt die Identität eines Mannes,
der zuvor schon unter anderen Namen lebte und nun eine weit reichende
Entscheidung über die Unsterblichkeit fällen wird.
Dazu scheint zu passen, dass Christian Unverzagt kurz darauf selbst
als Autor eines Romans (Der Kontakt) in Erscheinung trat.

Ob sich all diese Identitäten deutlich nach ihrem Wirklichkeitsgrad
bestimmen und existierenden Personen zuordnen lassen, und ob es zwischen
einzelnen von ihnen vielleicht eine verschwiegene Beziehung gibt, bleibt
offen. Im Internet stehen sie alle als Informationen nebeneinander. Wir leben damit.